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Bombolo – Maler, Bildhauer, Holzschneider

von Gabriele Kunze (Mallorca Magazin)

Wenn sich die Tür zu Bombolos Atelier und Wohnhaus hinter dem Besucher schließt, verliert das Draußen an Bedeutung. Man taucht ein in eine geschlossene Welt voller Magie und Zauber, voller Ruhe und Gelassenheit, voller Ordnung und Fülle. Hier eine Werkstatt für die Holzarbeiten, dort das Atelier zum Malen, Lagerräume mit hunderten von Bildern, Skulpturen, Holzschnitten, Zeichnungen. Räume voller Bücher. An vielen Wänden und im Garten Treibgut aus dem Meer, das man manchmal riechen kann, Fundstücke, Erinnerungen.
Der Mann, den alle Bombolo nennen, heisst in Wirklichkeit Norbert Graubner, geboren 1947 in Weinheim an der Lahn. „Doch Bombolo heisse ich schon seit meiner Kindheit“, sagt er.
Nach der Schule absolviert er eine Lehre als Koch, fährt als Schiffskoch um die halbe Welt. Schliesslich kommt er irgendwann auch nach New York. In den Vereinigten Staaten beginnt sein erster Kontakt mit den amerikanischen Indianern. Bombolo macht lange Reisen durch Indianer-Reservate, beschäftigt sich mit der Kultur der Navajos und Hopis, ist monatelang alleine mit dem Mountain-Bike unterwegs.
Später wird er zurückkehren zu den Indianern im Südwesten der USA, wrid Georgia O`Keefe in Abiquiu und Alan House in Santa Fe begegnen.
Doch die ersten Reisen haben nur bedingt Einfluss auf seinen Lebensweg. Es war wohl nicht nicht so weit.
Zunächst kommt eine mehr oder weniger bürgerliche Karriere. Das von ihm ins Leben gerufene und geleitete Restaurant „La Bonne Auberge“ in Frankfurt ist
dort alsbald ein Begriff. Ebenso wie „Chez Bombolo“ oder das „Hardrock-Café“.
Doch von einem Tag auf den anderen will er nicht mehr, schmeisst alles hin, verschmäht den Erfolg, aber auch die damit verbundenen Verpflichtungen. Er geht nach Mallorca.
Dazu schreibt die Fernsehregisseurin Christel Hinrichsen: „Als er (Bombolo) 1983 auf die Insel kam, da hatte er schon ein ganzes Stück Leben hinter sich. Ausgebrannt war er, seelisch und körperlich erschöpft und nicht zufrieden mit seinem Leben. Ohne zu wissen, wie es weitergehen würde, liess er sich auf Mallorca nieder.
Als er eines Tages bei Reparaturarbeiten vom Dach fällt und zwei Tage schwer verletzt am Boden liegt, ist das wie ein Signal für ihn: Er beschliesst, sich einmal mit sich selbst auseinanderzusetzen und geht dafür einige Wochen in ein japanisches Zen-Kloster. Dort praktiziert er Zazen, sitzt Stunden um Stunden, Tage um Tage in tiefer Versenkung schweigend vor der Wand. Der Aufenthalt wid zum Wendepunkt in seinem Leben; er beginnt danach wie besessen zu malen - und hört nicht mehr auf: die Malerei wird sein Beruf.“
Es ist kein Zufall, dass der Film, gedreht 1995, den Titel trägt „Sicherheit ist eine Illusion“.
Seine ersten Arbeiten beschäftigten sich mit den Indianern. Es sind schöne, harte Gesichter, die Bombolo darstellt, Gesichter, die um Leid und Ausgestossensein wissen, Gesichter, die keine Resignation kennen.
Es folgt Ausstellung auf Ausstellung, auf Mallorca, in Frankfurt, in Barcelona. Und irgendwann auch das Klischee: Bombolo - der Indianermaler.
„Ich habe meine Indianerporträts voller Überzeugung gemalt", sagt Bombolo. „Doch niemand kann auf der Stelle treten. Ich arbeite jeden Tag, vom Morgen bis zum Abend. Da ändern sich Behandlung und Form."
Im Laufe der Zeit ändern sich auch seine Themen. Abstraktion kommt ins Spiel, um Stille, um Betroffenheit auszudrücken. Einige Zeit reist Bombolo immer wieder nach Berlin, beschäftigt sich mit dem nach dem Mauerfall neuen Ambiente dieser Stadt, mit dem Zusammenprall zweier Welten, die beide deutsch genannt werden.
     Auch Spanien ist ein Thema, mit der ewigen Herausfordrung von „Viva la muerte!“, mit Corrida und Bürgerkrieg, mit „sol y sombra“ (Licht und Schatten). Nicht umsonst ist in einem Buch des Berliner Filmemachers Joachim Schubert über Bombolo auch Federico García Lorca zitiert: „Am Nachmittag um fünf Uhr...“.
Spanien behandelt Bombolo oft als Collage aus Papier, Zeitungen, mit Malerei in den Nationalfarben. Es entsteht das Bild „No me mates España“.
„Ich wurde dazu angeregt, als man den Osborne-Stier aus der spanischen Landschaft verbannen wollte. Dieser Stier, die Grillen, die warme Luft, die über der kargen Landschaft steht – all das hat mein Spanienbild geprägt. Als ich das 1966 bei meiner ersten Spanienreise zum ersten Mal sah, wusste ich – hier möchte ich eines Tages sein“, sagt Bombolo. „In Cambrils habe ich zum ersten mal unter freiem Himmel getanzt. Erst sehr viel später wurde mir klar, dass Joan Miró eines seiner ersten Bilder in Montroig gemalt.“
Und er fügt hinzu:
„Meine Reisen haben immer großen Einfluss gehabt. Alles, was ich male, habe ich gesehen.“
Auch der Aufenthalt in Japan hat deutlich sichtbare Spuren in Bombolos Arbeiten hinterlassen. Mehrere Ausstellungen zeigten Köpfe, Schädel, Gesichter von Mönchen.
"Keines der Bilder ein Portrait", sagt Bombolo, „doch ich kenne sie alle".
Jedes Ausdruck Bild ist Ausdruck einer eigenen Persönlichkeit, wie sie in sich geschlossener kaum vorstellbar ist. Es sind Arbeiten in Öl, auf Papier, Zeichnungen, Holzschnitte. Und manchmal hat der Betrachter fast den Eindruck von einer unendlichen Reihe von Selbstporträts, die die vielen Aspekte, die unterschiedlichen Facetten des Menschen Bombolo zeigen. Oder als ob Bombolo sich selbst betrachte. Denn Zentrum all dieser Köpfe, ob sie den Indianern, Tibet oder Japan zuzuordnen sind, sind immer die Augen, die den Betrachter zu durchdringen scheinen.
Mit dem Wandel der Themen wandeln sich auch Techniken und Materialien.
So entstehen die „Zen-Köpfe“ auch als Holzskulpturen. Die Risse und Schrunden im Holz der verwendeten alten Balken aus Abbruchhäusern machen die Gesichter lebendig.
,,Es ist gut, etwas zu machen aus Dingen, die zuvor schon einmal einen anderen Sinn hatten. Es ist wie ein Bewahren. Ich habe gehackt und geschnitzt aus allem, was ich fand.“
Ein Mal bestellte Bombolo in Deutschland edles Lindenholz, angeblich in Kammern abgelagert. Binnen kurzem hielt das Holz der Luftfeuchtigkeit der Mittelmeerinsel nicht mehr stand und quoll auf: Kaminholz.
Die später in Bronze gegossenen Köpfe bestechen durch ihre warme Pastina in verschiedenen Grüntönen.
Es entstehen Holzschnitte. Diese Technik fasziniert ihn von jeher: ,,Es ist die älteste Technik der Wiedergabe, sozusagen der Beginn der Printmedien. Sie wurde erst wieder durch die deutschen Expressionisten populär. Ich habe es dann wieder aufgegriffen.“ Die frühen Holzschnitte sind noch figurativ, die neueren abstrakt.
„Jeder neuen Technik nähere ich mich durch die Figuration, die im Laufe der Zeit zum Abstrakten mutiert. Das muss wohl so sein“, sagt Bombolo.
Es entstehen rein abstrakte Ölbilder, die vor allem von Farbflächen und Textur geprägt sind. Auch hier spielen die Reisen wieder eine Rolle, Reisen nach Südamerika, nach Buenos Aires, Santiago de Chile, durch die Atacama Wüste und auf dem Amazonas.
„Mein Verhältnis zu Farbe ist wie mein Verhältnis zur Natur – zart wie Farben in Japan, kräftig wie die Malerei Lateinamerikas. Malen heisst ja auch, sehen lernen.“
Besonders Blau, das Bombolo in der Publikation „Neruda Blau“ gemeinsam mit Gabriele Pommerin Götze in den Vordergrund stellt. Und in einem Künstlerbuch zum Thema „Wasser“.
,,Ich war immer neugierig auf jede Form von Material, bin neugierig darauf, wie sich die Dinge entwickeln.“
Und es entwickelt sich weiter. Bombolo steht nicht still. Und er verblüfft.
,,Medusa pflückt ihre Kinder“ hieß eine Ausstellung im Dezember vergangenen Jahres im in Kulturzentrum La Misericordia in Palma. Hier, in den Räumen des einstigen Armenhauses der Stadt, wo jene Schutz suchten, die gar nichs mehr hatten, hatten mit Bombolo gute Geister Einzug gehalten, würdevolle Könige, Monster, riesige Kraken, gigantische hornissenähnliche Flugobjekte – Totems, geboren aus dem archaischen Bedürfnis der Menschen nach Schutz. Sie haben allesamt gute, ewige Gesichter, ohne Mimik, zeitlos. Meist sind ihre Gesichter verborgen durch Tentakeln und Kopfschmuck, der ihnen Schönheit und Geheimnis verleiht. Rund zwanzig Skulpturen voller Kraft und Eindringlichkeit, ergänzt durch Bleistiftzeichnungen.
     Medusa, in der griechischen Mythologie eine der Gorgonen, wurde als Strafe für eine unangemesse Liebschaft mit so viel Häßlichkeit gestraft, dass jeder zu Stein erstarrte, der sie sah. So entstand das Atlasgebirge. Medusa konnte von Perseus nur im Schlaf getötet werden. Die Göttin Athene nutzte ein Abbild des ihr überbrachten Medusenhauptes als Schutzschild. Was sich als günstige Waffe erwies. Es nimmt nicht wunder, dass eine der Skulpturen den Titel ,,Wächter“ hat.
      Frappierend ist das Material, das Bombolo für seine Mammut-Kreationen benutzt: schmale Wellpappstreifen, die er aus dem Inneren von Kartons holt und mit Tischlerleim verarbeitet. Daraus wurde ein erstaunlich sanfter, haptischer Werkstoff.
,,Das Material hat mich fasziniert, seit ich mit Collagen gearbeitet habe“, sagt Bombolo. ,,Ich habe es puristisch, ohne Verfremdung verwendet. Die Skulpturen haben ihre eigene Statik, ein Gleichgewicht ohne Verstärkung. Der architektonische Aspekt war eine echte Herausforderung.“
      Knapp zwei Jahre lang hat Bombolo geschnitten, geformt, geleimt, gestaltet. Und wieder ein Zauberreich geschaffen, ohne Skizzen. „Nur aus den Händen“, sagt er.
Und aus dem Herzen.“
Und er verweist auf die Worte des Häuptlings Crowfoot (1890): „Was ist das Leben? Es ist das Aufleuchten eines Glühwurms in der Nacht. Es ist der Hauch des Büffels im Winter. Es ist ein kleiner Schatten, der über das Gras huscht und sich im Sonnenuntergang verliert.“

 

Information: Bombolo N. Graubner – Kontakt über www.bombolo.de